BOOK LOVERS NEVER GO TO BED ALONE

Mittwoch, 6. April 2011

Rezension: Weisser Fluch von Holly Black


Ich starre in die Dunkelheit und wünsche, ich wäre nicht so müde. „Es ist schwer, ein guter Mensch zu sein“, sage ich. „Weil ich schon weiß, dass ich keiner bin.“
„Manchmal weiß ich einfach nicht“, sagt Sam, „wann du lügst und wann nicht.“
„Ich lüge nie“, lüge ich.

Cassel Sharpe kommt aus einer Familie von Fluchwerkern – eine Art von Magiern, die nur durch Berühren anderer Menschen diesen das Gedächtnis nehmen, ihre Gefühle ändern oder sie töten können. Die einzelnen Fluchwerkerfamilien sind mafia-ähnlich organisiert, und viele steinreich. Die Regierung will natürlich etwas dagegen unternehmen, hat es bis dato aber noch nicht geschafft.
Cassel jedoch hat dieses Gen anscheinend nicht geerbt, er ist „normal“. Dennoch hat er wahrscheinlich vor einem Jahr seine enge Freundin Lila umgebracht. Er kann sich an nichts erinnern, nur daran, dass er blutverschmiert über ihr gehockt hat und überhaupt keine Reue gespürt hat. Daher glaubt auch er, dass er sie getötet hat, und seine Familie denkt das auch. Cassel versucht ein neues Leben anzufangen, in einem Internat, wo er sich verstellt und sich normal gibt. Nach außen hin klappt das einigermaßen, doch im Innern ist Cassel immer noch verzweifelt und muss an Lila denken. Er hat einen Freund in seinem Zimmermitbewohner Sam gefunden, der aber natürlich nichts über den wahren Cassel weiß.
Seit neuestem hat Cassel äußerst reale Träume, in denen eine weiße Katze mit Lilas Augen auftaucht und ihm etwas Wichtiges sagen will. Bei diesen Träumen schlafwandelt er auch immer, was zur Folge hat, dass er eines nachts auf dem Dach der Schule landet. Das hat zur Folge, dass Cassel suspendiert wird, und schließlich bei seinem Großvater einquartiert wird. Hier hat Cassel endlich Gelegenheit, die Wahrheit über Lilas Tod herauszufinden. Was er erfährt, ist viel mehr, als nur die Wahrheit über ihren Tod – er findet etwas heraus, was sein ganzes Leben auf den Kopf stellt.

Endlich habe ich das Buch durch. Ich habe wirklich sehr lange dafür gebraucht, habe am Anfang sehr schlecht in die Handlung hineingefunden. Ich wusste zunächst nicht, woran es lag – ich habe nur immer andere Bücher zur Hand genommen und dieses auf meinem Nachttisch rumliegen lassen. Doch als ich dann bei der Hälfte angekommen war, habe ich gemerkt, was bei diesem Buch anders ist, und etwa ab da habe ich den Rest verschlungen.
Es ist hier ganz einfach so, dass die Hauptperson nicht den perfekten Charakter hat, wie es so oft der Fall ist. Cassel lügt, betrügt und hat kaum Skrupel bei seinen Taten. Zuerst hat mich das wie gesagt abgestoßen, aber nach und nach fand ich es wirklich ganz erfrischend, vor allem, weil es auch in Cassels Familie niemanden gibt, der ehrlich ist. Höchstens seine normalen Freunde von der Schule sind vielleicht harmlos und nett. Dadurch, dass Cassel diese Eigenschaften habt, nimmt man ihm seine Handlungen auch nicht mehr so übel, sie wirken einfach natürlicher. Und wenn man mal ehrlich ist – eigentlich ist es ja schon meistens unglaubwürdig, wenn die unschuldigen Hauptpersonen in vielen Büchern dann plötzlich ohne zu Zögern lügen und anderen Menschen schaden.
Es ist einfach eine komplett andere Welt, die Holly Black hier kreiert, eine Welt, in der man von niemanden mit bloßer Haut berührt werden möchte, in der man niemandem trauen kann. Daher kann man Cassels dunkle Seite auch nachvollziehen. Die Autorin lässt den Lese teilhaben an Cassels Gedanken und Gefühlen, so dass man manchmal denkt, dass man neben ihm steht und alles hautnah miterlebt. Es ist schon erschreckend, dass er nicht einmal seiner Familie traut, aber wie man später merkt, ist sein Misstrauen immer berechtigt. Die anderen Charaktere sind ebenfalls sehr glaubwürdig dargestellt, niemand ist perfekt. Es ist einfach ein anderes Leben, dass die Menschen führen, und deswegen müssen auch die Menschen anders sein. Und daher kann ich nach der letzten Seite sagen, dass es eben doch ein richtig toller Roman ist, auch wenn ich das am Anfang nie gedacht hätte. Manchmal lohnt es sich eben, weiterzulesen und sich durch die ersten Seiten zu quälen – denn manchmal kann einen ein Buch wirklich überraschen, so wie dieses hier.

Von mir gibt’s 4 von 5 Sternen für diesen wundervolle, wenn auch gewöhnungsbedürftige Fantasyroman! 

Rezension für Buecherkinder.de

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