BOOK LOVERS NEVER GO TO BED ALONE

Donnerstag, 9. Juni 2011

Rezension: Neva von Sara Grant



„Was ist denn Glo-ball-isierung?“, fragt Sanna.
Ich zucke die Achseln. "Klingt wie eine Krankheit."

„Meinst du, das ist der Grund, warum wir die Grenzen dichtgemacht haben?“
„Du glaubst, dass da draußen alle an Globalisierung gestorben sind?“
Nun zuckt sie die Achseln.


Neva wohnt in Heimatland. Der Zeitpunkt ist irgendwann in der Zukunft, und sie und ihre Mitmenschen sind unter einer riesigen Energiekuppel eingeschlossen, der sogenannten Protektosphäre. Die meisten Menschen geben sich mit der Erklärung der Regierung zufrieden, dass da draußen nichts mehr ist und dort nur der Tod lauert. Doch einige Bürger glauben es inzwischen nicht mehr, vor allem, da die Regierung mit immer mehr Problemen zu kämpfen hat – es gibt nicht mehr genug Ressourcen, die elektrischen Geräte geben langsam ihren Geist auf, und die Menschen werden sich immer ähnlicher (kein Wunder, denn der Genpool wird ja nicht mehr verändert). Neva und ihre beste Freundin Sanna wollen rebellieren, und schmieden auch schon im Geheimen Pläne. Unter anderem haben sie sich Kennzeichen gemacht, die sie einzigartig machen sollen, Neva hat sich zum Beispiel eine Schneeflocke tätowiert. Doch sie müssen aufpassen, denn es verschwinden immer mehr Menschen, und Nevas Vater ist ein hohes Tier in der Regierung.
Und dann ist da noch Braydon ... Braydon, der Freund von Sanna. Braydon, der Neva geküsst hat und bei dem sie sich gefühlt hat wie noch nie zuvor.  Neva hat schreckliche Angst, dass Sanna es herausfinden könnte, denn ihre Freundschaft ist ihr so wichtig wie nichts anderes. Aber Braydon wird ihr auch immer wichtiger, und die Rebellion fordert nach und nach ihre Opfer.

„Neva“ ist ein typischer Jugendroman. Eine Abenteuergeschichte, eine Dystopie, die im Moment ja total angesagt ist und den Vampir-Hype abzulösen scheint, in Verbindung mit einer romantischen Liebesgeschichte. Da ist eigentlich nicht viel Neues bei, aber wenn man mit den Erwartungen an das Buch herangeht, die ich hatte, kann man dennoch wundervolle Stunden mit der Lektüre verbringen. Ich habe einfach ein Buch erwartet, das mich unterhält, das spannend ist und eine Liebesgeschichte enthält, und genau so war es auch. Dazu kam, dass ich diese Idee mit der Protektosphäre einfach genial finde, und vor allem die Andeutungen auf das was „draußen“ ist, auf das, was früher war – also in unserer jetzigen Zeit. Daher habe ich auch das Zitat oben ausgewählt, denn Globalisierung ist uns allen ja ein Begriff.
Wenn man mal darüber nachdenkt, dass es in 50,100 oder 1000 Jahren vielleicht wirklich zu so etwas kommen kann, liest man das Buch aus einem ganz anderen Blickwinkel. Diese Welt, in der Neva lebt, kann eigentlich gar nicht mehr lange überlebensfähig sein, die elektronischen Sachen funktionieren nicht mehr, es gibt keine Ressourcen mehr, man kann keine richtig bunte Kleidung mehr kaufen, besondere Lebensmittel sind stark rationiert, und natürlich, dass die Menschen sich mit jeder Generation ähnlicher sehen. Eine schreckliche Vorstellung, und sie hat mich echt zum Nachdenken gebracht. Und meiner Meinung nach ist das genau das, was eine Dystopie leisten sollte, dass man über die Gegenwart nachdenkt und darüber, welche Auswirkungen unser Lebensstil auf die Zukunft hat.
Die Rebellion war daher natürlich sehr nachvollziehbar, und es war unheimlich spannend mitzuverfolgen, wie Neva Widerstand leistet. Ich musste die ganze Zeit überlegen, wie ich mich wohl in ihrer Situation fühlen würde, und ob ich den Mut finden würde, das alles durchzuziehen, vor allem, da immer wieder Leute aus Nevas Umfeld verschwinden und keiner eine Erklärung dafür hat. Ich hatte Respekt vor ihrem Mut und davor, dass sie sich nicht hat unterkriegen lassen.
Ihre Romanze mit Braydon hat mir wundervoll gefallen. Sie haben versucht, Abstand voneinander zu halten und natürlich ihre Gefühle vor Sanna geheim zu halten, doch es hat nicht geklappt und sie haben sich immer mehr zu einander hingezogen gefühlt. Man hat das Knistern gespürt, und ich muss zugeben, dass ich mich auch ein klein wenig in ihn verliebt habe ...
Das Buch hat einige überraschende Wendungen, die aber leider nicht ganz so unvorhersehbar waren. Vielleicht liegt es daran, dass ich einfach schon zu viel gelesen habe, aber irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ich einiges davon schon kannte und erwartet hatte. Aber im Großen und Ganzen hat mich das überhaupt nicht gestört, und ich habe den Roman sehr genossen.

Mein Fazit: Neva ist ein wundervoller Jugendroman, eine spannende Dystopie, die einen zum Nachdenken bringt. Das Buch hält einen unglaublich in seinem Bann, und trotz einiger vorhersehbarer Ereignisse war es vor allem zum Ende hin so spannend, dass ich es für nichts aus der Hand legen konnte.

4,5 Sterne!

Rezension für bücherkinder.de

Kommentare:

  1. Schöne Rezension. Neva will ich auch lesen, hört sich super spannend an, da ich Dystopien sehr mag. Lg Diti

    AntwortenLöschen
  2. Dankeschön :) Ja, mir hat es echt gefallen. Ich habe im Dystopiebereich jetzt noch nicht so viel gelesen, bisher eigentlich nur "Die Auswahl" und "Die Tribute von Panem". Aber es war sicherlich nicht mein letztes :)

    AntwortenLöschen