BOOK LOVERS NEVER GO TO BED ALONE

Dienstag, 29. November 2011

Rezension: Das kalte Herz der Schuld von Anna Jarzab


Vor einem Jahr hat sich Neilys und Audreys Leben schlagartig verändert. Zu diesem Zeitpunkt nämlich wurde Carly, Neilys Ex und Audreys beste Freundin und Cousine, mit 4 Schüssen ermordet. Schnell schien festzustehen, dass Audreys gewaltbereiter Vater der Schuldige ist, und die Ermittlungen waren beendet. Doch jetzt möchte Audrey, die von der Unschuld ihres Vaters überzeugt ist, den wahren Mörder finden und bittet Neily um Hilfe. Dieser akzeptiert, da er selber an einigen Dingen zweifelt, die damals geschehen sind. Die beiden gehen auf Spurensuche und sind schnell davon überzeugt, dass die Clique um Carlys Freund Adam etwas mit ihrem Tod zu tun hat. Doch je mehr sie nach Beweisen suchen, umso deutlicher wird es den Menschen in ihrem Umfeld, dass die beiden den Mörder suchen – und so gerät auch ihr eigenes Leben in Gefahr.

Abwechselnd aus der Sicht von Neily und Audrey geschrieben, wird diese Suche nach der Wahrheit immer spannender und fesselnder. Aber es ist nicht nur ein Wechsel der Perspektiven, sondern es gibt auch immer wieder Rückblenden in die Zeit vor und kurz nach Carlys Tod. Dadurch erfährt man mehr und mehr über die Umstände von Carlys Tod und über Carly selbst. Dieser Stil hat mir sehr gut gefallen, da es nicht einfach nur eine lineare Handlung war. Je mehr über Carly und ihre Freunde offenbart wird, desto interessanter wird es zu wissen, was nun in Wirklichkeit passiert ist. Das Buch ist so geschrieben, dass man nicht allzu viel Konzentration aufwenden muss, um es schnell zu lesen, also genau das Richtige für abends/nachts im Bett.
Die Personen erscheinen alle sehr authentisch, und auch wenn ich sagen muss, dass mir Neilys Charakter und seine Handlungen immer mal wieder unsympathisch und etwas egoistisch erschienen, war es dennoch sehr realistisch und gerade deswegen fand ich das Buch so gut. Neily hat mit seinen Gefühlen zu kämpfen, auch ein Jahr nach dem Tod hat er es nicht überwunden. Man fühlt mit ihm, leidet mit ihm, als er immer mehr über Carly erfährt, über die Zeit, nachdem sie ihn für Adam hat sitzen lassen. Und auch Audrey, die ja die beste Freundin von Carly war, muss einiges über Carly erfahren, was sie schockt. Gemeinsam gehen die beiden jedem kleinen Hinweis nach, und der Leser kann miträtseln, da der wahre Mörder eben erst zum Schluss entdeckt wird.
Es ist eindeutig ein Buch für Jugendliche, doch ich fand toll, dass die Geschichte eben nicht einer normalen Jugendstory entspricht. Neily und Audrey dringen immer mehr in die Geheimnisse ihrer Mitschüler und –menschen ein, die zum Teil echt heftig und überraschend sind. Ich muss zwar zugeben, dass ich schon relativ früh ahnte, wer der wahre Mörder ist, doch das hat alles nur noch spannender gemacht, da man fieberhaft darauf wartete, dass Audrey und Neily es auch entdecken. Ich habe das Buch verschlungen, bis zur letzten Seite, und hätte es gerne gesehen, wenn es noch 200 Seiten länger gewesen wäre.


Das Debüt der amerikanischen Autorin Anna Jarzab lässt einen auf mehr Bücher der Autorin hoffen. Es war eine sehr spannende Geschichte, in einem tollen Stil erzählt. Von mir gibt’s 4,5 Punkte für diesen sehr guten Jugendkrimi!

Rezension für bücherkinder.de

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Samstag, 5. November 2011

Rezension: Und in mir der unbesiegbare Sommer von Ruta Sepetys

Ich blieb am Spalt stehen und erzählte allen, was ich sah. Der Fluss Nemunas, die großen Kirchen, die Gebäude, die Straßen, die Bäume an denen wir vorbeikamen. Die Leute schluchzten. Litauen war nie schöner gewesen. Bunte Blumen leuchteten prachtvoll in der Junilandschaft. Wir rollten durch das Land, in Waggons, auf denen „Diebe und Huren“ stand.

Litauen, 1941. Am Abend des 14. Junis wird die 15-järhrige Lina Vilkas zusammen mit ihrer Mutter und ihrem kleinen Bruder Jonas vom NKWD, der russischen Geheimdienst, aus ihrer Wohnung gezerrt und in Lastwagen verfrachtet, die sie und viele andere Litauer zu langen Zügen bringen, die aus viele aneinander gereihten Viehwaggons bestehen. Der Zug bringt sie fort, immer weiter nach Osten, in die Einsamkeit hinein. Lina weiß nicht, was geschieht und warum ihr Vater nicht bei ihnen sein kann. Die Russen behandeln sie wie Dreck und einige ihrer Mitgefangenen haben die Hoffnung schon aufgegeben. Lina hingegen hält an ihren Erinnerungen fest, und ihre Fähigkeit zu malen hilft ihr oft ihre Gedanken zu verarbeiten. Die Liebe zu ihrer Familie und später auch zu Andrius, einem Jungen, den sie während der Deportation nach Sibirien kennenlernt, lassen sie die ganze Grausamkeit überstehen, obwohl es oft schwer ist. Doch bringt die Hoffnung überhaupt etwas? Werden sie Litauen, ihre Freunde, ihren Vater jemals wiedersehen?

„Mitten im tiefen Winter wurde mir endlich bewusst, dass ich einen unbesiegbaren Sommer in mir trug.“ (Albert Camus)

Dieses Zitat von Albert Camus ist der Namensgeber für den deutschen Titel, die Autorin beginnt damit ihr Nachwort. Der originale, englische Titel lautet „Between Shades of Gray“, doch meiner Meinung nach ist der deutsche Titel viel passender. Für mich bedeutet er, dass man, egal was passiert, im Inneren die Hoffnung behält, die Hoffnung, dass sich was ändert, die Hoffnung dass etwas Gutes geschehen kann. Und eben dies ist die Haltung von Lina, die im Gegensatz zu vielen anderen Deportierten nicht denkt, dass alles vorbei ist. Auch wenn sie zwischendurch verzweifelt ist, sie findet dennoch die Kraft weiterzuleben, weiterzuhoffen.
Der Roman war sehr beeindruckend und regt einen zum Nachdenken an. Das sehr ernste Thema nimmt einen mit, ich musste oft beim Lesen eine Pause machen, weil ich einfach viel zu sehr mitgenommen wurde. Die Handlung ist manchmal hart, aber dennoch auf jeden Fall für Jugendliche geeignet. Über die Nazizeit weiß jeder Bescheid, da gibt es auch sehr viele Romane und Sachbücher für jüngere Leser. Doch dieses Thema war zumindest mir bisher nahezu unbekannt, obwohl es auch ein sehr dunkler Teil des zweiten Weltkrieges ist. Beim Lesen wurde mir mal wieder bewusst, wie viele Menschen in dieser Zeit überall in Europa gelitten haben, ich dachte bei mir: Was sind meine eigenen Probleme im Vergleich zu dem, was andere Menschen ertragen mussten und vielerorts immer noch müssen? Wut und Hilflosigkeit überkamen mich, und riesengroße Traurigkeit. Gefühle, die ich lange nicht bei einem Buch hatte.
Daran kann man glaub ich sehen, wie gut dieses Buch ist, denn genau das sollte ein Buch mit so einem Hintergrund bewirken. Es hat mich mitgenommen auf eine Reise, auf die ich vielleicht gar nicht wollte, aber die ich auf keinen Fall bereue. Ich kann dieses Buch einfach jedem empfehlen, der auch nur den Hauch von Interesse an Geschichte hat, der sich auch mal mit etwas ernsteren Themen auseinandersetzt. Ich lese ja normalerweise auch eher lockere Bücher, meistens Liebesromane, oder Fantasy. Doch das Buch hat mich einfach beeindruckt und bekommt einen Sonderplatz in meinem Bücherregal.

Vollkommen verdiente 5 Sterne für dieses bedrückende, gefühlvolle und beeindruckende Debüt, das einen zum Nachdenken anregt, zum Nachdenken über die dunklen Kapitel unserer Geschichte aber vielleicht auch über unser eigenes Leben und unsere Probleme, die im Vergleich zu Linas Leben einfach nur noch unwichtig erscheinen.

Rezension für bücherkinder.de